Armin Feistenauer

Bündnis 90/Die Grünen:

„Eine neue Politik des öffentlichen Raums braucht Mobilität für alle.”

30 Sep, 2011

Der A100 Kompromiss – Ein politisches Lehrstück

Von: Armin In: Aktuelles|Grüne Berlin|Verkehrspolitik|Wirtschaft

Seit letzter Woche wurde spekuliert, wie er nun aussieht: Autobahn mit Temp 30, Stadtstraße statt Autobahn oder doch ganz was anderes.A 100 Stoppen

Am Montag kam der Kompromiss nach einem Wochenende des Wartens dann endlich ans Tageslicht.

„Das Projekt 16. Bauabschnitt der BAB 100 wird nicht grundsätzlich aufgegeben. Die Koalition setzt sich aber aktiv und ernsthaft dafür ein, dass die Umwidmung der Bundesmittel ermöglicht wird. Der Bau erfolgt nicht, wenn die investiven Bundesmittel in Infrastrukturmaßnahmen in Berlin umgewidmet werden können. Für den Bundesverkehrswegeplan 2015 wird ein zusätzliches Projekt angemeldet.“

Seitdem gibt es über die Interpretation dieses Kompromisses und seine Sinnhaftigkeit eine ausführliche Diskussion.

Wowereit interpretierte das so, dass die Koalition zum Bau der A100 steht, falls die Bundesmittel nicht umgewidmet werden können. Darauf reagierten unsere Landesvorsitzenden zu Recht sehr verschnupft und stellten klar, dass wir dem Bau der A100 nicht zustimmen werden und nicht zugestimmt haben.
Das wurde dann auch von SPDlern aus der Sondierungskomission bestätigt.

Trotzdem lese ich den Kompromiss durchaus kritisch, denn wenn der Bau nicht erfolgt, fall die Mittel umgewidmet werden können folgt für mich, dass eben doch gebaut wird, falls wir das Geld nicht anders nach Berlin bekommen.

Das zeigt die unverantwortliche “Hauptsache das Geld wird verbaut, egal ob sinnvoll oder nicht”-Mentalität der Berliner Sozialdemokraten und zeigt wieder einmal das Problem einer finanziell abhängigen Großstadt.

Wird die A100 nun gebaut?

Auch wenn der Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) sofort deutlich machte, dass das Geld nicht umgewidmet werden kann, womit er seine eigene Devise, Instandhaltung vor Neubau, hinterfragt, stehen die Chancen gut, dass nicht gebaut wird. Für 2012 ist das Geld nicht bereit gestellt.
Pro Jahr stellt der Bund noch 1,3 Milliarden € für solche Verkehrsprojekte zur Verfügung, die A100 kostet ca 400 Millionen davon und ist damit das teurste Projekt in ganz Deutschland, welches sich mit etwa 170 anderen Verkehrsprojekten um die Gelder streitet. Eine besondere Dringlichkeit der A100 wurde nicht angemeldet.
Damit stehen die Chancen gut, dass auch 2013 kein Geld für die A100 über ist und dann stehen im Bund Neuwahlen an.

Hier hoffen wir schon lange auf einen Regierungswechsel hin zu mehr Vernunft und die Umfragewerte der letzten Jahre sehen da ganz gut aus.

Das falsche Spiel der CDU/CSU

Natürlich bekam der A100 Kompromiss nicht nur Zustimmung, wie vom BUND, sondern traf auch auf reichlich Skepsis.
Die Kritik richtet sich dabei meist weniger gegen das Verkehrsprojekt, das viel mehr Aufmerksamkeit bekommt als ihm eigentlich zusteht, sondern an die Grüne Glaubwürdigkeit.

Die Kritik der CDU und jeglicher Kommentar selbst des Bundesverkehrsministers scheint von dem Wunsch getrieben rot-grün in Berlin zu verhindern um Platz zu machen für rot-schwarz. Das mag eigennützig und richtig sein, daher im politischen Spiel legitim, ich frage mich aber, wie viel Schaden diese Schlammschlacht nicht einer einzelnen Partei, sondern unserem politisches System als Gesamtheit zufügt.

So gibt es zum Beispiel die satirisch tolle, gut gestaltete und damit sicher Professionell erstellte Seite www.buendnis100.de, die nur dazu dient den Kompromiss schlecht zu reden. Diese wurde so schnell nach der Kompromissveröffentlichung online gestellt, dass sie wohl von jemand Webdesignerfahrenen angelegt werden musste.
Verbreitet wurde sie bei Facebook und Twitter wo ich sie mitbekommen haben von der Jungen Union und CDU-Facebooknutzern.

Der Parteitag entscheidet

Jetzt ist es so weit. Heute entscheidet der Grüne Parteitag über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen.
Wowereit hat versucht uns rot-grün madig zu machen um uns als Spielverderber dastehen zu lassen und mit rot-schwarz zu regieren, die CDU versucht alles um den Kompromiss zu torpedieren und wir müssen uns die Frage stellen, ob es wirklich sichergestellt ist, dass die A100 nicht gebaut wird und wie wir das nach außen vermittelt werden.

Denn klar ist: Wir müssen nicht nur wissen, dass die A100 nicht gebaut wird, die BerlinerInnen müssen uns das auch glauben, sonst schaden wir der Partei.

Die Anträge zur Delegiertenkonferenz findet man hier, dabei auch ein Änderungsantrag, der unsere A100 Ablehnung noch einmal sehr deutlich macht. K1-3 heisst er und findet meine volle Unterstützung.

Ich bin gespannt!

4 Kommentare zu "Der A100 Kompromiss – Ein politisches Lehrstück"

1 | Mendola

Oktober 4th, 2011 at 11:35

Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass Wowi noch einen “Grund” findet Rot-Grün platzen zu lassen. Die A100 bietet sich da ja vortrefflich an.

Aber der Haushalt für Herrn Ramsauer könnte bis 2013 sehr gut aussehen… A100 nicht gebaut, S21 evtl. auch nicht… so kann man auch sparen.

2 | ein Kompromissuchender

Oktober 4th, 2011 at 14:36

ich frage mich, warum die Diskussion um die A100 immer nur als eine entweder/oder Entscheidung betrachtet wird. Meines Erachten nach lassen sich die Beweggründe für die Verlängerung der A100 in zwei Aspekte unterteilen: ersten die Anbindung der (West-)Berliner Stadtautobahn an das (ehemals Ost-)Berliner Straßennetz und zweites die langfristige Verlängerung der Stadtautobahn durch die östlichen Innenstadtbezirke.

Wenn man wie ich oft zwischen Neukölln (ehem West) und Treptow (ehem Ost) mit dem Auto unterwegs ist fällt einem der erste Punkt sehr schmerzhaft auf: 20 Jahre nach Ende der Mauer gibt es schlichtweg noch immer zu wenig leistungsfähige Straßenverbindungen zwischen beiden Bezirken. Zu Stoßzeiten gibt es es überall an der Bezirksgrenze Stau. Alle zentralen ‘Übergangspunkte’ sind nur einspurig! Hier muss etwas passieren. Die andere Frage geht um den generellen Ausbau der Stadtautobahn über diese Engstelle hinaus und mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Meines Erachtens nach wären SPD und Grüne gut beraten hier zu unterscheiden. Ein Kompromiss könnte so aussehen: Die A100 wird von der Grenzallee über den Dammweg bis zur Köpenicker Landstraße/Schnellerstraße verlängern. Die Strecke wird Kürzer, ein Teil der immensen baulichen Eingriffe entfällt und der Treptower Park wird auch nicht berührt. Funktionierende Ost-West-Verbindungen dürften beide Parteien gutheißen. Und mit einem Ende an der Köpenicker Landstraße statt an der Elsenbrücke wird ein klares Signal gesetzt: bis hierhin und nicht weiter.

3 | Armin

Oktober 5th, 2011 at 23:57

Tja, da hast du fast hell gesehen mit deinem Vorschlag.
Einen Kompromiss mit 900 Metern Autobahn als Anbindung haben die Grünen wohl schlussendlich eingebracht, doch war Wowereit nicht an Lösungen interessiert.
Ob das jetzt alle Probleme gelöst hätte kann ich als nicht-Verkehrspolitiker nicht sagen, aber wenn Grüne Autobahnen bauen ist das schon eine größere Geschichte ;)

Naja, Wowi will nicht und Berlin darf es ausbaden. Wurde allerdings auch so gewählt!

4 | Mendola

Oktober 6th, 2011 at 09:41

Es geht ja nicht nur um 900 oder 3200 Meter… Es ist die Frage nach einen Gesamtkonzept für den innerstädtischen Verkehr.

Trotz funktionierender Stadtautobahn in meinem westlichen Bezirk habe ich auch immer Stau zu den Stoßzeiten. Da ich Züge erreichen will, muss ich in den Zeiten vom Bus auf einen Umweg über S- und U-Bahn ausweichen.
Busse sollten Vorfahrt haben… oder Busspuren nicht mehr zugeparkt werden.

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Armin Feistenauer

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Ich engagiere mich bei Bündnis 90/Die Grünen Berlin für eine moderne Netzpolitik und mehr BürgerInnenbeteiligung. Außerdem bringe ich mich in meiner Bezirksgruppe Tempelhof-Schöneberg ein.

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