Armin Feistenauer

Bündnis 90/Die Grünen:

„Und „eine Stadt für alle“ muss dem Anspruch einer Weltstadt Berlin gerecht werden.”

13 Jul, 2010

Homöopathie – Heilsbringer oder Hexenwerk

Von: Armin In: Aktuelles|Grüne

Seit der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach im Spiegel dafür plädierte, den Krankenkassen zu verbieten, Homöopathische Behandlungen zu bezahlen, geht es hoch her.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn ist begeistert und zeigt sich gesprächsbereit. Als gelernter Bankkaufmann und studierter Politikwissenschaftler ist er zwar vermutlich kein so informierter Experte, wie der studierte Arzt, Gesundheitsökonom und Epidemologe, Karl Lauterbach, aber die Sachfrage ist einfach genug, dass sie sich in einem (kurzen) Blogeintrag darlegen lässt. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen aus der CDU und CSU.

Für die FDP reagiert der zuständige Bundesminister Rösler, der für die Freheit der Krankenkassen sinnlose Wahltarife jeder Art anzubieten eintritt, solange diese sich verkaufen und nicht zu Belastungen für die Allgemeinheit führen.

Für die Linke erklärt Martina Bunge, dass die Streichung “nicht zielführend” sei und “ganzheitlichen Ansätzen” notwendig seien.

Und von den Grünen meldet sich niemand anders als Renate Künast zu Wort und sieht andere Baustellen. Sie weist die “pauschale Kritik” an Naturheilverfahren zurück und weist darauf hin, dass die Schulmedizin oft Naturheilmittel nachahmt. Ob ihr der Unterschied zwischen Homöopathie und Naturheilmitteln klar ist und wofür oder wogegen sie sich wendet wird nicht deutlich. Leider ist davon auszugehen, dass sie keine Unterscheidung macht und alles für gut und hilfreich hält.

Da es aber nicht nur manchen PolitikerInnen, sondern auch vielen berichtenden Medien schwer fällt klar zu erläutern was Homöopathie eigentlich ist und was nicht möchte ich das hier kurz definieren.

Kurzgeschichte der Homöopathiexkcd cartoon

Homöopathie wurde im Jahr 1796 von Samuel Hahnemann “erfunden”. Die Idee dabei ist Heilmittel nach einem Ähnlichkeitsprinzip auszusuchen. Als Heimittel eignen sich Substanzen, die bei gesunden Personen Symptome verursachen, wie sie bei der erkrankten Person beobachtet werden können.
Damit befand er sich durchaus noch im Rahmen der Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts, die häufig mehr schadete als half. Allerdings kam Hahnemann auf die schlaue Idee, diese “Gifte” nicht in gefährlich hohen Dosen zu verabreichen, sondern durch das Potenzieren den Anteil deutlich zu verringern. Dabei wird der Wirkstoff im Verhältnis 1:10 oder 1:100 mit Alkohol oder Wasser verdünnt und dazu noch geschüttelt. Das Ganze wird einige Male wiederholt, je häufiger desto besser. Auch wenn der “Wirkstoff” dann unter Umständen nicht mehr im “Medikament” vorhanden ist, soll die “Information” und Wirkung durch diesen Prozess erhalten bleiben oder sogar steigen.

Ich hoffe, dass ich nicht darauf hinweisen muss, dass das zurückbleiben irgend einer Information nach der Entfernung des letzten “Wirkstoffmoleküls” in einer Art “Stoffgedächtnis” vollkommener Humbug ist. Das habe ich hiermit aber sicherheitshalber einmal gemacht.

Homöopathie vs Naturheilkunde

Als Naturheilkunde bezeichnet man hauptsächlich die Aktivierung körpereigener Abwehrkräfte (kennen wir aus der Werbung) durch Mittel aus der Natur. Es werden aber auch häufig Naturheilmittel darunter gezählt und eben manchmal auch die Homöopathie.
Als Naturheilmittel verstehe ich hier einen Wirkstoff, der aus Pflanzen gewonnen werden kann und als Medizin angewendet wird. Über dessen Wirksamkeit kann es dann wissenschaftlicher Untersuchungen geben, die daraus entweder “Schulmedizin”, d.h. Wirksamkeit in klinischen Tests nachgewiesen, oder keinen Heilerfolg über den Placeboeffekt hinaus nachweisen.

Als Placeboeffekt bezeichnet man den Effekt, dass die Einnahme eines Präparats ohne Wirkstoffe oder die Vortäuschung einer Behandlung, bereits zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes führt. Damit ein Medikament als wirksam gilt muss der Effekt natürlich positiver ausfallen, als der reine Placeboeffekt, den jedes Präparat verursacht.

Heilt Homöopathie?

Womit wir natürlich bei der spannendsten Frage sind. Heilt Homöopathie oder ist das alles Humbug?

Verklausuliert klärt uns der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses aus Ärzten, Kliniken und Kassen, Rainer Hess, auf, dass es nach “Hunterten medzinischen Studien bisher keinen klaren Nutzennachweis für die Homöopathie” gebe. Auf gut Deutsch.

Es wurde hunderte male probiert einen positiven Effekt von homöopathischen Heilmitteln nachzuweisen, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Kein Wunder ohne Wirkstoff.

Deutlicher wird Jürgen Windeler vom IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit und Gesundheitsweisen). Er sagt:

Die Homöopathie ist ein spekulatives, widerlegtes Konzept. Bis heute ist nicht erwiesen, dass die Methode einen medizinischen Nutzen hat. Dazu muss man auch gar nicht mehr weiterforschen, die Sache ist erledigt. Homöopathische Mittel werden so stark verdünnt, dass die Wirkstoffe kaum nachweisbar sind.

In England machten einige AktivistInnen mit der lustigen Aktion deutlich, dass diese Mittelchen keinerlei Wirkstoff (bzw. Gift) mehr enthalten und nicht in Apotheken gehören.

Nein Homöopathie heilt nicht! Warum hat sie dann einen so guten Ruf?

Das liegt zum einen daran, dass vor der Verschreibung eines Mittels, dieses in einem langen Gespräch erst ausgesucht werden muss. Dadurch muss sich der/die HeilpraktikerIn natürlich Zeit für den Patienten/die Patientin nehmen. Zeit und Aufmerksamkeit sind wiederum Faktoren die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Und dann darf man natürlich nicht den Placeboeffekt vergessen. Das Mittel muss nicht wirklich etwas bewirken, solange der Patient/die Patientin glaubt, dass das Mittel wirkt.

Sollen wir Homöopathie denn nun zahlen?

Womit wir wieder zur aktuellen politischen Diskussion, um die Frage, “Sollten Kassen für homöopathische Heilmittel bezahlen oder muss man das verbieten?”, zurück kommen.

Und hier wird es einfach. Homöopathische “Arzneimittel” werden momentan sowieso nicht von den Kassen bezahlt, homöopathische Behandlungen nur in besonderen Verträgen.

Trotzdem kommt es wohl immer häufiger zu Kooperationen zwischen Kassen und HomöopathInnen.

All das führt dazu, dass die Wirksamkeit in immer weiteren Bevölkerungskreisen angenommen wird, was für mich eine Gefahr für eine aufgeklärte Gesellschaft ist. Damit verbunden ist eine steigende Skepsis gegenüber der sogenannten “Schulmedizin” und der wissenschaftlichen Methode.

Dem gilt es auf allen Ebenen entgegenzutreten: Im Bildungssystem, in den Medien, … und auch im Gesundheitswesen

Einerseits muss die Finanzierung und Aufwertung der Homöopathie durch Kooperationen also beendet werden, was jedoch nicht zu der gewünschten finanziellen Entlastung für die Kassen führt, da diese Beträge quasi bedeutungslos sind. So wurden 2009 für homöopathische Medikamente in Deutschland 267 Mio. € (Kassen+Privat) und 30,7 Mia. € für herkömmliche Medikamente (nur Kassen).

Andererseits sollte auch die “Schulmedizin” vom Erfolg der Homöopathie lernen und die positiven Aspekte der Behandlung (Aufmerksamkeit, Zeit, usw.) wo möglich im System ermöglichen.

Über die Verwirrungen um ganzheitliche Medizin und Betrachtung und die Skepsis gegenüber der “bösen” Schulmedizin könnte man sicher noch einige Blogeinträge schreiben, aber hier sei erstmal Schluss. Sollten noch Ergänzungen erwünscht sein einfach eine Mail an mich oder ein Kommentar auf der Homepage. Vielleicht möchtest du ja bei diesem netten Beitrag auf dem Ratioblog weiterlesen.

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Bild von Armin Feistenauer (draussen)

Armin Feistenauer

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